Freitag, 5. Februar 2016

Fast Fashion - Nähbloggertreff im Januar

Hallo ihr Lieben,

das heutige Thema ist einmal nichts genähtes, sondern erzählt von einem Museumsbesuch der aber trotzdem - und eigentlich schon leider mit dem Nähen zu tun hat. Der Name der Ausstellung sagt es schon "Fast Fashion" - Die Schattenseiten der Mode. Hier möchte ich meine Eindrücke der Ausstellung, die noch bis zum 3. Juli im Hygiene Museum gastiert, schildern.

Ich muss sagen, dass ich durch diverse Dokumentationen zum Thema schon einiges gelesen und auch gesehen habe. Dennoch ist visuelles Material von den Arbeitsbedingungen in den meist asiatischen Ländern doch sehr schockierend. Für wenige Cent pro Stück wird dort für namhafte Europäische Marken produziert.

Was ist Fast Fashion? Es ist eine Ableitung vom "Fast Food" - schnell muss es gehen, viel und vor allem billig. Haltbar muss es dabei nicht sein. Eine passende T-Shirt Farbe zu jedem Rock und umgekehrt. Aber bitte jeden Tag etwas anderes zum Anziehen und nach ein paar Mal Tragen (Wenn überhaupt) werden die Sachen entsorgt. Ein Kleidungsstück hat in Europa keinen Wert. 

Bereits zu Beginn der Ausstellung  werden große Ballen Second Hand Kleidung gezeigt - solche, die tagtäglich in den Altkleidersammlungen landen, daraufhin werden diese sortiert und für den Textilrecyclingprozess oder hauptsächlich für den Wiederverkauf in Akrika oder auch Osteuropa und anderen Ländern zu solchen Ballen gepresst. Aber auch hiermit wird die lokale Textilindustrie der Verkaufsländer gestört, da die Second Hand Ware meist billiger ist, als das Angebot lokal hergestellter Kleidung.

Der Textilerzeugungsprozess wird anschaulich vom Rohstoff bis zum fertigen Produkt gezeigt, besonders interessant fand ich hierbei einen großen Ballen mit Rohbaumwolle. So etwas bekommt man nicht jeden Tag zu sehen. Der Anbau von Baumwolle und auch der Verarbeitungsprozess ist jedoch ein sehr wasserintensives Unterfangen und wird meist in sowieso schon sehr wasserarmen Gebieten mit viel Pestiziden durchgeführt.

Während des Herstellungs- und Färbeprozesses verschiedener Textilienwerden Milliarden Tonnen Wasse verbraucht und verunreinigt. Besonders eindrücklich fand ich diese Abbildungen von einem "rosa Fluss" und einer Frau die bei der Arbeit mit chemikalisch bearbeiteten Textilien ihr kleines Baby auf dem Schoß hält.


Der letze Raum wird der "Slow Fashion" gewidmet. Nachhaltig und lokal gefertigte Mode und aus nachhaltigen, fairen und ökologischen Materialien gefertigt. Einige Lokale Unternehmen werden präsentiert und Label und Zertifikate vorgestellt.
Auch kann man über neue, nachhaltige Materialien lesen und auch Stoffproben anfassen.

Ich empfehle euch wärmstens euch mit dem Thema der textilen Verarbeitung auf der ganzen Welt auseinander zu setzen. Es ist wirklich einer der Hauptgründe, warum ich alles selbst nähe, und das schon seit nunmehr 3 Jahren. Für die Zukunft nehme ich mir vor, noch mehr auf die Herkunft der Materialien zu achten und auch kaputte Kleidungsstücke mehr zu reparieren.

Zum Schluss möchte ich euch noch das Aktionswochenende über die Licht- und Schattenseiten der Mode ans Herz legen. An zwei Tagen gibt es verschiedene Veranstaltungen rund um das Thema und es werden diverse Vorträge, Filme und Mitmachaktionen angeboten.

Zum zweiten Teil des Titels komme ich jetzt - denn nach der Ausstellung lud ich die Dresdner Nähblogger das erste Mal zu mir nach Hause ein - es war ein netter kleiner Abend und ich hatte im Vorfeld wirklich einmal Grund und Motivation mein Nähzimmer bis in die letzte Ecke aufzuräumen.
Diesmal dabei waren Friemeleien, stoff_verzueckt, Catlog, Handmade by Ranunkelchen  und amberlight-label bei ihr könnt ihr auch ein Foto unserer schicken Presseausweise ansehen. Denn durch ihre Anfrage konnten wir für ausnahmsweise Fotos in der Ausstellung machen!

Also wenn ihr möchtet, liebe Blogger, könnt ihr sehr gerne wieder kommen! Ich würde mich sehr freuen!

eure


Kommentare:

  1. Unter dem Motto ist auch die This is not okay Aktion im Herbst gestartet... seit ich mitgemacht hab, beschäftige ich mich mehr mit dem Thema und schau auch drauf was und wo ich kaufe.
    lg
    Nicole

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  2. liebe Sopie eine eindrucksvolle Ausstellung und sie wäre es wert auch bundesweit und auch in Einkaufscentern gezeigt zu werden.
    So etwas ähnliches hatten wir auch schon mal in Neumünster im Textilmuseum. Nur wer geht da schon hin, Engagierte , Interessierte , Schulen...
    Der typische Kunde setzt sich damit nicht auseinander , Hauptsache billig.
    Aber seit meiner Jugend als sehr junge Mutter repariere ich Kinder un Erwachsenen Kleidung. Soetwa lernet ich noch in der Schule.
    Und jetzt schätzen es meine Enkel wenn sie ihre Lieblings - Hosen länger tragen könne, weil Oma sie unsichtbar flickt, mit Stickfuß stopft und ausbessert. Eben gingen gerade wieder vier Hosen zurück.

    Auch tage ich Kleidung richtig lange und auch auf, wenn es zu "oll" ist im Haus, im Garten, bei Arbeiten ,Renovieren..
    Mein Enkelin, jetz 20, näht sich schon lange selbst Kleidung unter meiner Anleitung. Jetzt auch gerade wieder ein Kleid, sie sagt gekauft ist oft billiger, aber nicht so besonders.
    Und ich habe etwas einzigartiges. Und nur so kann sie den Wert der Näharbeit richtig schätzen .

    Danke für deine Gedanken dazu. und ich finde es auch gut, wenn Kleidung auf Kleidermärkten weiterverkauft wird.
    Aus alte Kleidung und Hemden mache ich gerne Decken. Dies sind so schon abgewaschen und weich.
    Grüße von Frauke

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  3. Liebe Sophie, danke fur Deine Eindrücke und Deinen Appell, den hoffentlich viele Näherinnen vernehmen. Vor kurzem gab es eine Fast-Fashion-Ausstellung in Hamburg im Museum für Kunst und Gewerbe. Auf deren Webseite sind auch noch Eindrücke der Ausstellung zu sehen. Das Bild vom rosa Fluss, dass Du beschreibst, geht mir gar nicht mehr aus dem Kopf... Die beiden zahlen den Preis für unsere Schnäppchen. Dabei wäre es so leicht, etwas zu ändern. Ich hoffe ihr Dresdnerinnen hättet trotzdem oder gerade wegen dieser Eindrücke ein tolles Treffen! Lieben Gruß, Karin

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  4. Ja, die Ausstellung will ich mir auch noch anschauen. Hat ja am letzten Freitag leider nicht geklappt. Rosafarbenes oder dunkelblaues Spreewasser gab es in meiner Kindheit auch. Da sah man dann immer, welche Farbe die aktuelle Jeanskollektion ein paar km flussauf bekam, die natürlich nicht bei uns verkauft wurde. Die Bedingungen, die während meiner Lehrzeit in den hiesigen Textilbetrieben herrschten, waren sicher um einiges besser als aktuell in Asien aber immer noch haarsträubend. Mich wundert sehr, wie schnell die Leute das vergessen haben.
    LG Malou

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  5. Ein sehr interessantes Thema! Heute noch hatte ich einen kleinen Artikel über die Weiterverarbeitung der Altkleider gelesen, dabei wurde die Auswirkung des Verkaufs der Secondhandkleidung auf die örtlichen Verkäufer nicht erwähnt. Im Radio hatte ich einen Beitrag gehört zur Kleiderherstellung in asiatischen Ländern und das leider der Preis oder Markenname der Kleidung keinerlei Rückschluss auf die Arbeitsverhältnisse der Näherinnen oder sonstige fairen Bedingungen ziehen lässt. Ehrlich gesagt fühle ich mich oft verunsichert, wenn nicht mal Altkleiderspenden "richtig" ist... Danke für den Bericht! lg, Raphaele

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  6. Die Ausstellung klingt unglaublich interessant. Ich beschäftige mich schon länger mit dem Thema und insbesondere in den letzten Wochen habe ich noch einmal einen ganz anderen Bezug dazu gefunden. Ich veranstalte Nähworkshops für Flüchtlinge, zur Zeit vorwiegend unbegleitete Jugendliche aus Afghanistan. Von diesen Jungs haben einige in der Industrie als Näher gearbeitet. Sie sind gerade einmal 14, 15 oder 16 Jahre alt und haben bereits viel Zeit mit Arbeiten und dementsprechend wenig Zeit mit Schule verbracht. Einerseits scheinen sie stolz auf das zu sein, was sie können, andererseits sind sie aber auch ganz alleine nach Deutschland aufgebrochen... Auf jeden Fall ein super schwieriges, aber ebenso wichtiges Thema und ich bin froh, dass es im Rahmen einer Ausstellung aufgearbeitet wird. Vielleicht schaffe ich es, sie bis zum Sommer zu besuchen.

    Liebe Grüße,

    Julia

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  7. Da wäre ich gerne dabei gewesen ;-) Leider liegt Dresden ausßer Reichweite! Gastiet die Ausstellung evtl. auch mal in Berlin oder München? Viele Grüße
    Stefanie

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